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Gebirgsschlag im Kaliwerk Unterbreizbach

Einsturz im Kalibergbau

Am 23. Juni 1975 wurde um die Mittagszeit in der Kali-Grube Unterbreizbach gesprengt. Kurz darauf brachen Teile der kilometerlangen unterirdischen Flöze zusammen: 1.800 Pfeiler in einer Tiefe von 800 - 900 m waren in einer Kettenreaktion zu Bruch gegangen. Auf einer Fläche von 3,3 Quadratkilometern krachte das Deckgebirge ein. Das Beben erreichte eine Magnitude von 5,2 auf der Richter-Skala, die Wellen dieses sogenannten „Gebirgsschlags“ konnten bis Köln und Frankfurt gemessen werden...

Augenzeugen

„Am 23.06.1975, um 14.12 Uhr [...] vernahm ich plötzlich ein überaus lautes Grollen. Der erste Gedanke - ein schweres Gewitter - doch schon war alles in Bewegung. Töpfe fielen vom Herd, ein [...] Sofa flog zuerst rechts und anschließend links gefühlte 1 m in die Höhe. [...] Man [...] sah, dass Schornsteine und Ziegeln von den Dächern gefallen, Wände eingestürzt und Scheunen teilweise oder ganz zusammengefallen waren. [...] Die Fliesen in den Bädern lösten sich von den Wänden und durch viele Häuser gingen Risse. [...] Man ahnte sofort, dass die „erdbebenartigen Erschütterungen“ wie das Ereignis damals genannt wurde, von den Sprengarbeiten im Schacht ausgelöst worden waren. [...] Trotz gewaltiger Schäden [...] waren, GOTT SEI DANK, keine Menschenleben zu beklagen. [...] In Sünna herrschte panikartige Stimmung [...].“
Karin Lückert

„[...] In Sünna angekommen, sah man panische Menschen auf den Straßen und die ersten Schäden. Wolfgangs Frau Johanna stand mit den Kindern [...] im Hof ihres Eigenheimes [...]. Ihr war die Angst ins Gesicht geschrieben. In ihrem Wohnhaus waren größere Schäden zu beklagen [...], die Giebelwand auf der Vorderseite war komplett gelöst und das Haus mit weiteren Rissen durchzogen. Baumaterial, was normalerweise immer knapp war, stand plötzlich zur Verfügung. [...] Rechungen für die Bauleistungen wurden direkt von der Staatlichen Versicherung beglichen.“
Wolfgang Wagner, damaliger Mitarbeiter im Kabelwerk Vacha

Stele Gebirgsschlag (Standort Thomas-Müntzer-Str. in Sünna) als pdf

Gebirgsschläge in der Region

In der benachbarten Stadt Vacha, Ortsteil Völkershausen, kam es 1989 zu einem noch intensiveren Gebirgsschlag. Dabei entstand in 750-900 m Teufe eine Bruchfeldgröße von ca. 6.8 km², wobei eine Magnitude von
5,6 auf der Richter-Skala ermittelt wurde.

„[...] Der Gebirgsschlag von Völkershausen gilt als eines der stärksten Beben weltweit, das durch Bergbautätigkeit verursacht wurden. Man geht davon aus, dass die Statik des Abbaufeldes durch eine falsche Berechnung auf einer Fläche von etwa 6,8 Quadratkilometern zusammengebrochen ist.“ Quelle: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen, www.lagis-hessen.de

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